Angeborene oder erworbene krumme oder nicht gleich lange Beine sind ein häufiger Vorstellungsgrund beim Kinderorthopäden. Wichtig ist die Abklärung, ob es einer Therapie bedarf, da nicht jede Achsabweichung und Beinlängendifferenz eine echte Erkrankung darstellt.


Ursachen

Während des Wachstums kann es zu Achsabweichungen im Bereich der Beine, wie zum Beispiel zu O-Beinen, X-Beinen oder einem überstreckbaren Knie (Genu recurvatum), und sehr viel seltener, auch der Arme kommen. Gerade im Bereich der Beine kann für Achsabweichungen oft keine Ursache gefunden werden. Als Gründe kommen aber auch familiäre Häufung, ein Trauma oder Störungen im Bereich der Wachstumsfugen vor. Achsabweichungen können aber auch sekundär bei anderen kinderorthopädischen Erkrankungen auftreten oder im Rahmen von Systemerkrankungen vorkommen. Als Beinlängendifferenz wird der Längenunterschied beider Beine, der angeboren oder erworben sein kann, bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einer anatomischen (tatsächlich unterschiedliche Länge der Beine) und einer funktionellen Beinlängendifferenz (z.B. sekundär bei Wirbelsäulenverkrümmung) unterschieden werden. Die Ursachen dafür sind höchst verschieden. Die unterschiedliche Beinlänge kann beispielsweise durch Anlagestörungen, Gelenkkontrakturen, Fehlstellungen, Störungen der Wachstumsfugen, Lähmung bedingt sein. Deshalb ist eine Vorstellung beim Kinderorthopäden unerlässlich, um andere orthopädische Erkrankungen auszuschließen.


Symptome

Die Fehlstellung ist meist offensichtlich. Ausgeprägte O- oder X-Beine können Kniebeschwerden verursachen. Wegweisend ist die klinische Untersuchung, bei der das Ausmaß der Fehlstellung ermittelt werden muss. Im Bereich der Arme kann vor allem die teilweise eingeschränkte Beweglichkeit störend für den Patienten sein. Manchmal sind spezielle Röntgenaufnahmen notwendig, um das Ausmaß genau zu quantifizieren. Die Frage nach einer relevanten Beinlängendifferenz kann im Rahmen der körperlichen Untersuchung routinemäßig geklärt werden. Die Längenmessung erfolgt ebenso in erster Linie klinisch. Radiologisch kann eine exakte Längenbestimmung auf Ganzbein-Standaufnahmen vorgenommen werden.


Behandlung

Bei Achsabweichungen kann die langfristige Folge kann im Bereich der Beine eine Überlastung und vorzeitiger Verschleiß (Arthrose) des Kniegelenkes sein. Konservative Therapieversuche, wie Physiotherapie, Einlagen oder Schienen, sind meist nicht zielführend. Korrigiert werden kann die Fehlstellung nur operativ. Im Bereich der Arme kann der Achsenausgleich meist nur durch eine knöcherne Korrektur erreicht werden. Kleinere Beinlängendifferenzen sind nicht behandlungsbedürftig, da die meisten Menschen geringe asymptomatische Längenunterschiede aufzeigen. Beinlängendifferenzen bei Kindern müssen beobachtet und unter Umständen behandelt werden. Da die Beine die Basis unserer Statik darstellen, kann eine Beinlängendifferenz Veränderungen in der Körperhaltung beziehungsweise in der Wirbelsäule oder andere Veränderungen am Bewegungsapparat hervorrufen. Der menschliche Körper hat zwar Kompensationsmöglichkeiten, dennoch sind bei zu großen Beinlängendifferenzen langfristig schmerzhafte Veränderungen die Folge. Je nach Ausprägung kommen Einlagen, Schuhzurichtungen bis hin zu Etagenschuhen oder orthopädietechnische Beinorthesen als konservative Therapiemöglichkeiten in Frage. Ob eine Beinlängendifferenz operativ therapiert werden sollte, hängt vom Individualfall ab. Die Art des Vorgehens ist dabei abhängig vom Alter des Patienten und dem Ausmaß. Prinzipiell kommen wachstumslenkende Maßnahmen genauso zum Einsatz wie verkürzende oder verlängernde Verfahren.


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