Plattfuß bei Kindern: Was Sie tun können

Es gibt verschiedene Arten von Plattfüßen: Bei erworbenen Fehlstellungen können Eltern zunächst abwarten, ob sich die Fußform von selbst normalisiert. Bei angeborenen Plattfüßen wiederum ist notwendig, bald zu operieren. Wie Sie beides unterscheiden und was jeweils zu tun ist, erklären wir Ihnen gerne.

Inhalt

  • Der „normale“ Plattfuß – Was tun bei erworbenen Fehlstellungen?
  • Seltene, aber schwere Anomalie: Der angeborene Plattfuß
  • Häufig unerkannt: Der kontrakte Plattfuß

Die Fachärztin, Prof. Sandra Utzschneider, untersucht Ihr Kind auf mögliche Fußdeformitäten.

Prof. Utzschneider - OrthoCenter Prof. Lill München
Orthopäden
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Der „normale“ Plattfuß – Was tun bei erworbenen Fehlstellungen?

Der kindliche Knick-Senkfuß kommt häufig vor und ist primär ein harmloses Krankheitsbild. Dabei flacht das Fußlängsgewölbe ab und die Ferse knickt nach innen weg. Ein stark ausgeprägter Senkfuß wird irgendwann zum Plattfuß, das heißt das Fußgewölbe hebt sich immer mehr ab:

Plattfuß und Knickfuß schematische Darstellung und Erklärung | OrthoCenter Prof. Lill

Der erworbene Knick-Plattfuß ist in den ersten Lebensjahren eine Normvariante („Lauflernplattfuß“), die sich bis zum Schulalter zu einer normalen Fußform entwickeln sollte. Das Fußlängsgewölbe ist noch nicht ausgebildet und entsteht erst nach den ersten Lebensjahren. In manchen Fällen bleibt diese Entwicklung jedoch aus. Jenseits des 8. Lebensjahres ist eine weitere Spontanentwicklung zum normalen Rückfuß eines Erwachsenen sehr unwahrscheinlich. Die Übergänge sind fließend und eine Behandlungsnotwendigkeit muss der Kinderorthopäde prüfen.

Die häufigste Ursache des kindlichen Knick-Senkfußes sind lockere Bänder. In seltenen Fällen können derartige Fußdeformitäten auch durch knöcherne Fehlstellungen, neuromuskuläre Beschwerden und Bindegewebserkrankungen verursacht werden. Ob Ihr Kind darunter leidet, können Sie auch selbst testen: Wenn Ihr Kind auf den Zehenspitzen steht, sollte sich das Fußgewölbe abzeichnen. Ist das nicht der Fall, ist eine weiterführende Diagnostik beim Kinderorthopäden sinnvoll.

Nicht jeder Plattfuß muss Probleme machen, oft fallen nur die besondere Fußform und die nach innen knickende Füße auf. Manche Kinder sind jedoch „gehfaul“ und klagen über belastungsabhängige Beschwerden unterhalb des Innenknöchels. Die klinische Untersuchung sowie die nur in manchen Fällen notwendige ergänzende Röntgenuntersuchung des Fußes geben Aufschluss über den Grad der Erkrankung. Daraus leiten sich wiederum die Therapiemaßnahmen ab.

Ursachen, Symptome und Behandlung

In den meisten Fällen kann die Entwicklung bis etwa zum 10. Lebensjahr hin abgewartet werden. Füße, die nicht schmerzen, sind in der Regel mit konservativen Maßnahmen gut zu behandeln. Vor allem mit speziell angefertigten Schuheinlagen. Manchmal kann auch Physiotherapie sinnvoll sein.

Was Sie selbst tun können:

  • Barfuß laufen: Lassen Sie Ihr Kind draußen barfuß laufen, so oft es möglich ist. Am besten auf unebenen Untergrund. Die so entstandenen Trainingsreize fördern die Aufrichtung des Fußlängsgewölbes. Zu Hause bieten sich statt Hausschuhe zum Beispiel dicke ABS-Socken an.
  • Fußgymnastik: Lassen Sie Ihr Kind Gegenstände mit den Zehen aufheben. Diese einfache Übung stärkt die Muskeln des Fußgewölbes und der Kinderbeine. 
  • Gut passende Schuhe: Vermeiden Sie zu enges Schuhwerk. Überprüfen Sie regelmäßig, ob Ihr Kind aufgrund eines Wachstumsschubes eine neue Schuhgröße braucht.

Insbesondere schmerzhafte Plattfüße sollten operativ korrigiert werden. Eine Operation ist in vielen Fällen minimalinvasiv und als wachstumslenkendes Verfahren möglich („subtalare Schraubenarthrorise“). Der ideale Zeitpunkt für diese Operation ist zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Das Ziel dieses Eingriffs ist die Einschränkung der abnormen Beweglichkeit des unteren Sprunggelenkes. Im Sinne einer Wachstumslenkung passen sich Knochen, Muskeln und Bänder funktionell an und schaffen damit die anatomischen Voraussetzungen für eine dauerhafte Korrektur, so dass die Schraube meist nach 2-3 Jahren wieder entfernt werden kann. Ausgeprägte Fußfehlstellungen und vor allem rigide Deformitäten können nicht mit diesem Verfahren behandelt werden. Hier kommen andere Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz, die individuell auf den Fuß des Patienten abgestimmt werden.

Warum zu uns?

  • Prof. Dr. med. Utzschneider ist eine renommierte Spezialistin für Kinderorthopädie
  • Lehrauftrag an der Uni München und Zusammenarbeit mit weltweiten Forschungsinstituten
  • Themistocles-Gluck-Preis für Endoprothetik und Wissenschaftspreis der AFOR (Association for Orthopaedic Research)
  • Aufnahme als Top-Medizinerin in der FOCUS-Ärzteliste

Seltene, aber schwere Anomalie: Der angeborene Plattfuß

Ein angeborener Plattfuß (Talus verticalis) ist eine seltene, schwere Anomalie des Fußes und kommt alleine oder mit neurologischen Störungen oder anderen Systemerkrankungen vor. Dieses Krankheitsbild ist streng vom erworbenen Plattfuß zu trennen. Das Längsgewölbe des Fußes ist komplett aufgehoben mit Steilstellung des Sprungbeines und Verkürzung der Achillessehne. Die Fußsohle erscheint nach außen gerundet („Tintenlöscherfuß“). Zudem kommt es zum Abkippen der Ferse sowie auch zum Abkippen des Vorfußes zum Fußaußenrand hin.

Ursache, Symptome und Behandlung

Der angeborene Plattfuß kann familiär gehäuft auftreten, aber auch zusammen mit anderen Fehlbildungen, wie beispielsweise der Spina bifidaHüftverrenkungen oder dem Klumpfuß.

Die Plattfußfehlstellung lässt sich oft klinisch über die sogenannte Blickdiagnose gut feststellen. Eine Röntgenaufnahme ermöglicht es zudem, die Stellung der einzelnen Fußknochen zueinander zu beurteilen.

Angeborene Plattfußbehandlung bei Kindern - OrthoCenter München

Ein direkter Therapiebeginn nach Diagnosestellung ist dringend zu empfehlen. Neben einer schrittweisen Gipsredression möglichst früh im Säuglingsalter wird in der Regel danach eine operative Therapie notwendig. Anschließend muss Physiotherapie durchgeführt werden. In der Regel müssen auch nach der Operation noch eine Schienenversorgung und eine spätere Versorgung mit orthopädischen Einlagen erfolgen. Nach der Behandlung ist der Fuß meist gut belastbar und passt auch gut in „normale“ (nichtorthopädische) Schuhe. Dennoch ist es möglich, dass die Beweglichkeit eingeschränkt bleibt. Da es sich um eine seltene Erkrankung handelt, die spezieller Therapie bedarf, sollte jedes Kind mit angeborenem Plattfuß langfristig an einen kinderorthopädischen Experten angebunden werden.

Häufig unerkannt: Der kontrakte Plattfuß

Die Verschmelzung von Fußwurzelknochen ist ein häufig unerkanntes Problem, das vom „normalen“ Plattfuß streng unterschieden werden muss.

Der sogenannte „kontrakte Plattfuß“ entsteht durch eine fehlerhafte Verbindung zwischen zwei Fußknochen, zwischen denen eine feste Brücke entweder durch Bindegewebe, knorpelig oder knöchern ausgebildet ist, wo normalerweise ein bewegliches Gelenk angelegt wäre.

Oft treten belastungsabhängige Schmerzen im Rück- und Mittelfuß im Laufe des Wachstums auf, häufig mit einer zunehmenden, kontrakten Knicksenkfußstellung und gelegentlich mit einer schmerzhaften Spastik der Muskeln an der Außenknöchelseite. Die Beweglichkeit des betroffenen Fußes ist im Seitenvergleich stets vermindert.

Mit einer konservativen Therapie, wie beispielsweise Einlagen, oder einer vorübergehenden Ruhigstellung werden die Patienten oft nicht beschwerdefrei bzw. verbleibt die Knicksenkfußstellung, so dass oft eine OP unumgänglich ist. Ziel ist dabei eine regelrechte Stellung von Rück- und Mittelfuß ohne Schmerzen.


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