Angeborene oder erworbene krumme Beine sind ein häufiger Vorstellungsgrund beim Kinderorthopäden. Wichtig ist die Abklärung, ob es einer Therapie bedarf, da nicht jede Achsabweichung eine echte Erkrankung darstellt. Säuglinge und Kleinkinder haben beispielsweise immer O-Beine, nach dem ersten bis zweiten Lebensjahr verschwinden diese aber wieder.


Ursachen

Während des Wachstums kann es zu Achsabweichungen im Bereich der Beine, wie z.B. O-Beinen, und sehr viel seltener, auch der Arme kommen. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig. Die Beinachse ändert sich im Laufe des Wachstums. Primär bestehen im Säuglingsalter O-Beine, die sich danach im Kindergartenalter zu X-Beinen entwickeln. Diese sollten sich dann in etwa bis zur Einschulung zu einer geraden Beinachse ausgleichen. Gerade im Bereich der Beine kann für Achsabweichungen oft keine Ursache gefunden werden. Als Gründe für die O-Beine im Wachstumsalter kommen aber auch familiäre Häufung, Rachitis, Phosphatdiabetes, ein Trauma oder Läsionen der Wachstumsfugen durch Entzündung, Trauma oder einen Tumor vor. Achsabweichungen können sekundär bei anderen kinderorthopädischen Erkrankungen auftreten.


Symptome

Die Patienten haben nur selten Beschwerden, die Fehlstellung ist meist aber offensichtlich. Eine langfristige Fehlbelastung des Knies aufgrund von ausgeprägten O-Beinen kann Kniebeschwerden verursachen, da sie zu einem frühen Verschleiß des Kniegelenks auf der inneren Seite führt. Liegt das O-Bein nur einseitig vor, kann dies über einen Beckenschiefstand zu einer seitlichen Schiefstellung der Wirbelsäule führen, da so der Beckenschiefstand wieder ausgeglichen wird. Wegweisend ist die klinische Untersuchung, bei der das Ausmaß der Fehlstellung ermittelt werden muss. Manchmal sind spezielle Röntgenaufnahmen notwendig, um das Ausmaß genau zu quantifizieren.


Behandlung

In der Wachstumsphase wird in der Regel abgewartet, beobachtet und regelmäßig kontrolliert, wie sich die Achsabweichung entwickelt. Gegebenenfalls ist sogar, je nach Alter, eine Spontankorrektur möglich. Falls erforderlich, wird außerdem Vitamin D verschrieben. Konservative Therapieversuche (wie Physiotherapie, Einlagen oder Schienen) sind meist nicht zielführend. Korrigiert werden kann die Fehlstellung nur operativ. Im Bereich der Arme kann der Achsenausgleich meist nur durch eine knöcherne Korrektur erreicht werden. Bei einer relevanten Fehlstellung der Beine kann vor Wachstumsabschluss eine minimal-invasive Wachstumslenkung (Epiphysiodese) durchgeführt werden, bei der die Wachstumsfugen einseitig gebremst werden und das Wachstum auf der anderen Seite der Wachstumsfuge zu einem Ausgleich der Fehlstellung führt. Es handelt sich um einen kleinen Eingriff, der gut vertragen wird und kurzstationär durchgeführt werden kann. Die Kinder können nach zwei Wochen wieder Sport treiben. Später nach Wachstumsabschluss kann eine Fehlstellung nur noch durch eine aufwändige knöcherne Operation (Umstellungsosteotomie) korrigiert werden. Da hierbei z.B. eine Knochenscheibe am Schienbein oder dem Oberschenkel entnommen wird, ist dies nicht das Mittel der Wahl im Wachstumsalter.


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