Spina bifida (offener Rücken)

Die Spina bifida stellt eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks dar. Hierbei handelt es sich genau genommen um eine Verschlussstörung des Neuralrohrs in der Embryonalphase der Schwangerschaft. In Deutschland trifft das auf etwa eine von 1000 Schwangerschaften zu. Dabei sind Mädchen öfter davon betroffen als Jungen.


Ursachen

Die Ursachen der Spina bifida sind noch nicht geklärt. Es scheint, dass ein offener Rücken sowohl durch erbliche Faktoren als auch durch Umweltfaktoren bedingt sein kann. Einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung des offenen Rückens stellt Folsäuremangel (ein Vitamin B) bzw. ein gestörter Folsäurestoffwechsel während der Schwangerschaft dar.


Symptome

Die Symptome der Spina bifida können sehr unterschiedlich ausfallen. Die Spina bifida occulta, bei der die Wirbelbögen gespalten sind, ohne dass das Rückenmark betroffen ist, ruft teilweise gar keine Symptome hervor. Deshalb bleibt sie häufig auch unentdeckt. Bei der sogenannten Spina bifida aperta, reichen die Symptome von kaum bemerkbaren Beschwerden, wie einer leicht beeinträchtigen Gehfähigkeit, bis hin zu beträchtlichen Einschränkungen, wie Querschnittslähmung mit gestörter Blasen- und Darmfunktion. Bei der Spina bifida aperta sind auch die Hirnhäute oder Hirnhäute und Rückenmark betroffen und liegen nicht im Wirbelkanal, sondern sackartig vorgewölbt offen. Wenn sich Teile des Rückenmarks durch den Spalt im Wirbelbogen vorwölben, ist das Rückenmark in der Vorwölbung (Zele) in seiner Funktion gestört. Entsprechend kann die Spina bifida Lähmungen der Muskel-, Magen- und Darmfunktionen und einen Verlust der Gefühls- und Schmerzempfindungen verursachen. Je höher sich die Öffnung am Rücken befindet, desto schwerer sind in der Regel die Lähmungserscheinungen. Bei Störungen der knöchernen Wirbelsäule oder infolge der Muskellähmungen kann ein offener Rücken mit Fehlbildungen im Skelettsystem (z.B. Verkrümmungen oder Gelenkfehlstellungen) verbunden sein. Ein bekanntes Beispiel ist der neurogene Klumpfuß. Etwa die Hälfte der Kinder mit Spina bifida entwickeln auch eine Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose). Wenn die Blasenfunktion durch die Spina bifida gestört ist, treten häufig Harnweginfekte und Entleerungsstörungen der Blase auf – sowohl im Sinne einer Durchlaufblase (bzw. Inkontinenz, d.h., die Betroffenen können Urin nicht halten) als auch einer Überlaufblase (d.h. die Betroffenen können keinen Urin ablassen). Eine schwere Spina bifida kann auch mit der sogenannten Chiari-Fehlbildung verbunden sein: Hierbei führt die Aussackung des Rückenmarks dazu, dass das Kleinhirn und die Verbindung zwischen Gehirn und Rückenmark (Medulla oblongata) durch das Hinterhauptsloch nach unten in Richtung Wirbelkanal gezogen sind, wodurch die Zirkulation der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit gestört ist. Darum kann ein offener Rücken zusammen mit einem Wasserkopf (bzw. Hydrocephalus) auftreten, der sich durch den Rückstrom zum Gehirn ausbildet. Je nach seiner Ausprägung kann der Hydrocephalus beispielsweise folgende Symptome verursachen: Teilleistungsstörungen (z.B. Rechenschwäche) oder epileptische Anfälle.


Behandlung

Die leichte Form der Fehlbildung, die Spina bifida occulta, macht in einigen Fällen gar keine Behandlung notwendig, da sie teils keinerlei Auswirkungen hat. Bei der Spina bifida aperta (d.h. der offenen Form) kann der Defekt hingegen deutlich ausgeprägt sein. Dann ist eine mikrochirurgische Operation spätestens innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt ratsam, um Rückenmark und Nerven zu schützen. Die damit verbundenen orthopädischen Probleme müssen dauerhaft kontrolliert und therapiert werden. Dies umfasst, je nach Grundproblem, Physiotherapie, Versorgung mit Hilfsmitteln (vor allem Tag- und Nachtschienen) sowie, wenn nötig, eine individuell angepasste Operation.


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