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Behandlung von orthopädischen Problemen bei chronischen peripheren Nervenerkrankungen

Behandlung von orthopädischen Problemen bei chronischen peripheren Nervenerkrankungen

Das Nervensystem wird unterteilt in das zentrale Nervensystem, bestehend aus Gehirn und Rückenmark, und das periphere Nervensystem, bestehend aus allen außerhalb des zentralen Nervensystems liegenden neuronalen Strukturen. Periphere Nerven können auf unterschiedliche Weise geschädigt werden. Oft können genetisch bedingte Erkrankungen (z.B. hereditäre motorische und sensorische Neuropathie, auch neuronale Muskelatrophie oder HMSN genannt) nachgewiesen werden. Davon abzugrenzen sind frühkindliche (z.B. durch ein Geburtstrauma) oder später erworbene Schädigungen einzelner Nerven oder eines Nervenplexus (sog. Plexusläsion).

Bei den chronischen peripheren Nervenerkrankungen handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen, die meist genetisch bedingt sind. Somit findet sich oft eine familiäre Häufung. Hierbei gehen die peripheren Nerven langsam zugrunde. Die motorischen Nervenfasern, die für die Steuerung der Bewegung verantwortlich sind, sind je nach Typ meist wesentlich stärker betroffen als die sensorischen Fasern, die wiederum für die Vermittlung von Empfindungen (Berührung, Schmerz, Temperatur, Gelenkstellung) verantwortlich sind. Eine weitere Ursache können sogenannte Plexusläsionen oder Schäden einzelner peripherer Nerven (z.B. Peroneusparese) sein. Hierbei wird das Nervengeflecht durch ein Trauma, ein Geburtstrauma oder selten, einen Tumor, geschädigt, was auch zu sensorischen und motorischen Ausfällen führen kann. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Neurofibromatose Typ 1, auch Morbus Recklinghausen genannt, eine vererbte Multiorganerkrankung, die vor allem Haut und Nervensystem betrifft, ein.

Symptome der genetisch bedingten chronischen Nervenerkrankungen sind Muskelschwäche, Sensibilitäts- und Hautdurchblutungsstörungen, ein verändertes Gangbild sowie Veränderungen der Fußform, wie beispielsweise ein neu aufgetretener Hohlfuß. Die Symptome der durch eine Plexusläsion oder Schädigung eines einzelnen Nerven entstandenen peripheren Nervenerkrankung sind Sensibilitätsstörungen sowie Muskelschwächen und daraus resultierende Muskelatrophien bzw. –kontrakturen. Wurde die periphere Nervenerkrankung durch Neurofibromatose hervorgerufen, macht sich diese vor allem durch Hauterscheinungen, wie beispielsweise Neurofibrome (gutartige Nerventumore) oder Cafe-au-lait-Flecken bemerkbar. Selten treten auch bösartiger Nerventumore auf. Zudem kann eine charakteristische kongenitale Tibiapseudarthrose mit Verkrümmung des Unterschenkels und hoher Frakturneigung vorliegen. Des Weiteren gehören Beinlängendifferenzen, Skoliosen und auch Hirntumore zu diesem Krankheitsbild.

Zur Behandlung der orthopädischen Probleme bei chronischen peripheren Nervenerkrankungen wird ein interdisziplinäres Therapiekonzept eingesetzt. Physiotherapie und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind in der Regel Teil der Behandlung. Insbesondere die Tibiapseudarthrose bei Neurofibromatose Typ 1 sollte dringlich mit Orthesen versorgt werden, da eine hohe Bruchgefahr mit sehr schlechter Knochenheilung vorliegt. Operationen kommen je nach Grunderkrankungen und orthopädischem Symptom zum Einsatz.

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